Wer sich mit der Planung oder Optimierung einer Lagerhaltung beschäftigt, stößt früher oder später auf zwei Begriffe, die auf den ersten Blick ähnlich klingen, aber unterschiedliche Konzepte beschreiben: Pufferlager und Durchlauflager. Beide Lagersysteme spielen in der modernen Intralogistik eine wichtige Rolle, verfolgen jedoch verschiedene Ziele und eignen sich für unterschiedliche Anforderungen. Wer den Unterschied zwischen Pufferlager und Durchlauflager kennt, trifft bei der Lagerplanung fundiertere Entscheidungen und vermeidet kostspielige Fehlinvestitionen.
In diesem Artikel erklären wir, wie beide Systeme funktionieren, wo sie sinnvoll eingesetzt werden und worauf Sie bei der Auswahl achten sollten.
Funktionsweise und Aufbau beider Lagersysteme
Das Pufferlager dient dazu, Waren oder Materialien vorübergehend zwischen zwei Prozessschritten zwischenzulagern. Es gleicht Schwankungen im Materialfluss aus, zum Beispiel wenn eine Produktionslinie schneller liefert, als die nachgelagerte Station verarbeiten kann. Typisch für ein Pufferlager ist, dass Ware eingelagert wird, ohne dass eine feste Reihenfolge beim Auslagern vorgeschrieben ist. Es geht primär um Kapazität und Verfügbarkeit, nicht um eine bestimmte Entnahmereihenfolge.
Das Durchlauflager funktioniert nach einem anderen Prinzip: Waren werden auf einer Seite eingelagert und auf der gegenüberliegenden Seite entnommen. Die Regale sind geneigt oder mit Förderrollen ausgestattet, sodass die Ladungsträger durch die Schwerkraft oder einen Antrieb zur Entnahmeseite gleiten. Dieses System erzwingt automatisch das FIFO-Prinzip (First In, First Out), also die Entnahme in der Reihenfolge des Einlagerungszeitpunkts. Der Aufbau ist meist kompakter und bietet eine hohe Lagerdichte bei gleichzeitig geordnetem Warenfluss.
Typische Einsatzbereiche in der Intralogistik
Pufferlager kommen überall dort zum Einsatz, wo Materialflüsse zeitlich entkoppelt werden müssen. Das ist besonders relevant in der Produktion, wenn unterschiedliche Fertigungsgeschwindigkeiten aufeinandertreffen, oder in der Lagerlogistik, wenn Wareneingänge und Kommissionierprozesse nicht synchron laufen. Auch in automatisierten Anlagen werden Pufferlager häufig als Zwischenspeicher vor Sorter- oder Verpackungsanlagen eingesetzt.
Durchlauflager sind besonders geeignet für Artikel mit hoher Umschlaghäufigkeit und wenn die Einhaltung des FIFO-Prinzips wichtig ist, etwa bei Lebensmitteln, pharmazeutischen Produkten oder anderen Waren mit begrenzter Haltbarkeit. Sie finden sich häufig in Kommissionierbereichen, wo ein geordneter und schneller Zugriff auf viele verschiedene Artikel gefragt ist. Auch in der Logistikplanung für automatisierte Lager spielen Durchlauflager eine wichtige Rolle, da sie den Kommissionierweg deutlich verkürzen können.
Kapazität, Durchsatz und Flächeneffizienz im Vergleich
Bei der Bewertung von Lagersystemen sind drei Kenngrößen besonders relevant: die Lagerkapazität, der mögliche Durchsatz und die Flächeneffizienz.
Kapazität und Lagerdichte
Pufferlager bieten in der Regel hohe Flexibilität bei der Kapazität, da sie in verschiedensten Bauformen realisiert werden können, vom einfachen Blocklager bis hin zu automatischen Hochregallagern. Die Lagerdichte hängt stark vom gewählten System ab. Durchlauflager hingegen erzielen durch ihre kompakte Bauweise und die mehrfach belegten Kanäle eine sehr hohe Lagerdichte auf vergleichsweise kleiner Grundfläche.
Durchsatz und Flächeneffizienz
Beim Durchsatz punkten Durchlauflager, wenn es um schnellen, geordneten Zugriff auf viele Artikel geht. Da Einlager- und Entnahmeseite getrennt sind, können beide Prozesse gleichzeitig ablaufen, was Wartezeiten reduziert. Pufferlager sind beim Durchsatz weniger auf Geschwindigkeit ausgelegt und priorisieren stattdessen die Pufferwirkung. In der Flächeneffizienz liegen Durchlauflager vorn, wenn es um viele Artikelpositionen mit hohem Umschlag geht. Für große Mengen weniger Artikel kann ein Pufferlager jedoch wirtschaftlich sinnvoller sein.
Investitions- und Betriebskosten beider Systeme
Die Kostenfrage ist in der Lagerlogistik immer zweigeteilt: Es gibt die Anfangsinvestition und die laufenden Betriebskosten, und beide müssen gemeinsam bewertet werden.
Pufferlager sind in ihrer einfachsten Form kostengünstig umzusetzen, zum Beispiel als Blocklager oder einfaches Regallager. Sobald Automatisierung ins Spiel kommt, steigen die Investitionskosten deutlich. Die Betriebskosten hängen stark davon ab, ob das System manuell oder automatisiert betrieben wird. Durchlauflager erfordern in der Anschaffung meist eine höhere Investition, da die Rollenbahnen, Neigungswinkel und Sicherheitssysteme präzise ausgelegt sein müssen. Im Betrieb sind sie jedoch oft wirtschaftlicher, weil der Personalbedarf für die Kommissionierung sinkt und Fehler durch das automatische FIFO-Prinzip reduziert werden. Langfristig rechnet sich ein Durchlauflager vor allem dann, wenn der Artikelumschlag hoch ist und die Anforderungen an die Reihenfolge klar definiert sind.
Das richtige Lagersystem für Ihre Anforderungen wählen
Die Wahl zwischen Pufferlager und Durchlauflager hängt von mehreren konkreten Faktoren ab, die Sie vor der Entscheidung sorgfältig analysieren sollten.
- Artikelstruktur: Wie viele verschiedene Artikel lagern Sie, und wie hoch ist der Umschlag je Artikel?
- FIFO-Anforderung: Müssen Waren in einer bestimmten Reihenfolge entnommen werden, etwa wegen Mindesthaltbarkeitsdaten?
- Platzverhältnisse: Wie viel Fläche steht zur Verfügung, und wie hoch ist das Gebäude?
- Materialfluss: Sollen zwei Prozessschritte zeitlich entkoppelt werden, oder geht es um schnellen, geordneten Zugriff?
- Budget: Welche Investition ist realistisch, und welche Betriebskosten sind langfristig tragbar?
Oft ist die beste Lösung keine Entweder-oder-Entscheidung. Viele Lagersysteme kombinieren beide Konzepte: Ein Durchlauflager im Kommissionierbereich und ein Pufferlager als vorgelagerter Bestandsspeicher ergänzen sich häufig sehr gut. Die ganzheitliche Planung des Materialflusses ist dabei der Ausgangspunkt für eine wirtschaftlich sinnvolle Systemauswahl.
Wie IbH Sie bei der Wahl des richtigen Lagersystems unterstützt
Die Entscheidung für ein Pufferlager oder Durchlauflager ist selten trivial. Sie hängt von Ihren spezifischen Artikelstrukturen, Materialflüssen, Platzverhältnissen und Budgetvorgaben ab. Genau hier setzen wir von IbH Schepper an: als herstellerunabhängige Logistikberater, die keine eigenen Systeme verkaufen, sondern ausschließlich in Ihrem Interesse planen.
Unsere Leistungen im Bereich Lagerlogistik und Intralogistik-Consulting umfassen unter anderem:
- Fundierte Datenanalyse Ihrer Artikelstruktur, Umschlaghäufigkeiten und Materialflüsse als Basis für jede Systementscheidung
- Layoutplanung und Konzeptentwicklung, die Pufferlager, Durchlauflager oder Hybridlösungen neutral bewertet und vergleicht
- Logistische Detailplanung und Ausschreibung, damit Sie Angebote verschiedener Systemanbieter auf einer vergleichbaren Basis bewerten können
- Begleitung bis zur technischen Abnahme, sodass das geplante System auch in der Realität das hält, was es im Konzept verspricht
Wenn Sie wissen möchten, welches Lagersystem zu Ihren Anforderungen passt, sprechen Sie uns gerne an. Auf unserer Kontaktseite finden Sie alle Möglichkeiten, um ein unverbindliches Erstgespräch zu vereinbaren.
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