Was ist eine Lagerkostenkalkulation und wie erstelle ich sie richtig?

Marko Schepper ·
Logistikberater analysiert Kostentabelle an Lagertisch, umgeben von Kartons und Metallregalen, Klemmbrett und Taschenrechner daneben.

Wer Lagerkosten im Griff haben möchte, kommt an einer soliden Lagerkostenkalkulation nicht vorbei. Doch viele Unternehmen unterschätzen, wie komplex diese Berechnung tatsächlich ist. Lagerkosten berechnen bedeutet weit mehr, als Miete und Personalkosten zusammenzurechnen. Eine vollständige Lagerkostenrechnung umfasst zahlreiche direkte und indirekte Kostenarten, die zusammen ein realistisches Bild der tatsächlichen Lagerhaltungskosten ergeben. Dieser Artikel zeigt Ihnen, wie Sie eine Lagerkostenkalkulation Schritt für Schritt aufbauen, typische Fehler vermeiden und Einsparpotenziale gezielt nutzen.

Gerade in der Intralogistik, also der innerbetrieblichen Logistik vom Wareneingang bis zum Versand, lassen sich durch eine präzise Kalkulation erhebliche Kosten aufdecken, die im Tagesgeschäft oft unsichtbar bleiben. Der erste Schritt ist, zu verstehen, welche Kostenarten überhaupt relevant sind.

Kostenarten, die in die Lagerkostenkalkulation einfließen

Eine vollständige Lagerkostenkalkulation berücksichtigt alle Kosten, die direkt oder indirekt mit der Lagerung von Waren zusammenhängen. Diese lassen sich in vier Hauptkategorien einteilen:

  • Raumkosten: Miete oder kalkulatorische Abschreibung der Lagerfläche, Heizung, Beleuchtung, Versicherung des Gebäudes
  • Personalkosten: Löhne und Gehälter aller im Lager tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, inklusive Sozialabgaben und Weiterbildungskosten
  • Betriebsmittelkosten: Abschreibungen und Betriebskosten für Regalsysteme, Fördertechnik, Flurförderzeuge und IT-Systeme wie Lagerverwaltungssoftware (LVS)
  • Kapitalkosten: Zinsen auf das im Lagerbestand gebundene Kapital, auch bekannt als Kapitalbindungskosten

Hinzu kommen häufig unterschätzte Positionen wie Verpackungsmaterial, Schwund durch Beschädigung oder Verfall sowie Kosten für Inventur und Qualitätssicherung. Wer diese Positionen in der Lagerplanung und Optimierung außer Acht lässt, rechnet an der Realität vorbei.

Datengrundlage und Kennzahlen für eine präzise Berechnung

Ohne belastbare Daten bleibt jede Lagerkostenkalkulation eine Schätzung. Die Qualität der Berechnung hängt direkt von der Vollständigkeit und Aktualität der zugrunde liegenden Daten ab.

Folgende Kennzahlen bilden die Basis einer präzisen Lagerkostenrechnung:

  • Lagerumschlagshäufigkeit: Wie oft wird der Lagerbestand innerhalb eines Jahres komplett ausgetauscht? Eine niedrige Umschlagshäufigkeit deutet auf zu hohe Bestände hin.
  • Durchschnittlicher Lagerbestand: Berechnet als Mittelwert aus Anfangs- und Endbestand einer Periode, möglichst auf Artikelebene.
  • Lagerkostensatz: Prozentualer Anteil der Gesamtlagerkosten am durchschnittlichen Lagerwert, typischerweise zwischen 15 und 30 Prozent.
  • Flächennutzungsgrad: Verhältnis von genutzter zu verfügbarer Lagerfläche, inklusive Höhennutzung.

Diese Kennzahlen lassen sich aus ERP-Systemen, Lagerverwaltungssoftware oder manuellen Aufzeichnungen gewinnen. Je detaillierter und aktueller die Datenbasis, desto präziser wird das Ergebnis der Kalkulation.

Schritt-für-Schritt: Lagerkostenkalkulation richtig aufbauen

Eine strukturierte Vorgehensweise verhindert, dass wichtige Kostenpositionen übersehen werden. Der folgende Aufbau hat sich in der Praxis bewährt:

Schritt 1: Alle Kostenarten erfassen

Beginnen Sie mit einer vollständigen Liste aller relevanten Kostenarten aus den vier genannten Kategorien. Sammeln Sie die tatsächlichen Jahreswerte aus der Buchhaltung, nicht Schätzwerte.

Schritt 2: Kosten den Lagerbereichen zuordnen

Teilen Sie die Gesamtkosten auf einzelne Lagerbereiche oder Artikelgruppen auf, sofern das Ihr Lagerlayout erlaubt. So erkennen Sie, welche Bereiche besonders kostenintensiv sind.

Schritt 3: Lagerkostensatz berechnen

Teilen Sie die Gesamtlagerkosten durch den durchschnittlichen Lagerwert und multiplizieren Sie das Ergebnis mit 100. Das Ergebnis ist Ihr Lagerkostensatz in Prozent. Dieser Wert erlaubt einen Vergleich über verschiedene Perioden oder mit Branchenwerten.

Schritt 4: Kosten pro Lagereinheit ermitteln

Dividieren Sie die Gesamtkosten durch die Anzahl der gelagerten Einheiten oder Paletten. Diese Kennzahl hilft dabei, Preiskalkulationen für Produkte realistisch zu gestalten und Intralogistikkosten transparent zu machen.

Häufige Fehler bei der Lagerkostenrechnung vermeiden

Selbst gut gemeinte Kalkulationen scheitern oft an denselben Schwachstellen. Die häufigsten Fehler in der Praxis sind:

  • Unvollständige Kostenerfassung: Kapitalbindungskosten und indirekte Kosten wie IT-Betreuung oder Reinigung werden häufig vergessen.
  • Veraltete Datenbasis: Wer mit Vorjahreszahlen rechnet, ohne Preissteigerungen oder strukturelle Veränderungen zu berücksichtigen, erhält verzerrte Ergebnisse.
  • Fehlende Differenzierung: Werden alle Artikel mit demselben Lagerkostensatz berechnet, verdeckt das die tatsächlichen Kostenunterschiede zwischen schnell- und langsamdrehenden Artikeln.
  • Kein Abgleich mit realen Bestandsdaten: Buchbestand und physischer Bestand weichen in vielen Lagern voneinander ab. Ohne regelmäßige Inventur entstehen systematische Fehler in der Kalkulation.

Ein weiterer typischer Fehler ist es, die Kalkulation als einmalige Aufgabe zu betrachten. Lagerkostenrechnung ist ein kontinuierlicher Prozess, der regelmäßige Aktualisierungen erfordert, besonders wenn sich Sortiment, Lieferantenstruktur oder Lagertechnik verändern.

Einsparpotenziale auf Basis der Kalkulation identifizieren

Eine fundierte Lagerkostenkalkulation ist kein Selbstzweck. Sie zeigt konkret, wo Lagerkosten optimieren möglich ist. Typische Ansätze:

  • Bestandsreduzierung: Langsamdreher identifizieren und Mindestbestände kritisch überprüfen. Weniger gebundenes Kapital senkt die Kapitalbindungskosten direkt.
  • Flächenoptimierung: Durch bessere Regalnutzung oder veränderte Lagerstrategien lässt sich oft mehr Ware auf derselben Fläche lagern.
  • Prozessverbesserungen: Kürzere Wege im Lager, optimierte Kommissionierprozesse und reduzierte Fehlerquoten senken die Personalkosten pro Einheit.
  • Technikeinsatz: Automatisierung einzelner Prozesse, zum Beispiel durch automatische Kleinteilelager (AKL) oder Fördertechnik, kann die Stückkosten bei hohem Durchsatz erheblich senken.

Wichtig ist dabei, die Wechselwirkungen im Blick zu behalten. Eine Maßnahme, die Raumkosten senkt, kann Personalkosten erhöhen und umgekehrt. Die Kalkulation hilft, diese Zusammenhänge sichtbar zu machen, bevor Entscheidungen getroffen werden.

Wann eine externe Logistikberatung sinnvoll ist

Eine interne Lagerkostenkalkulation stößt dann an ihre Grenzen, wenn die Datenbasis unvollständig ist, das Know-how für die Interpretation fehlt oder strukturelle Veränderungen anstehen, die über das Tagesgeschäft hinausgehen. In diesen Situationen bringt eine externe Perspektive einen echten Mehrwert.

Konkrete Anlässe, bei denen eine externe Logistikberatung sinnvoll ist:

  • Geplante Erweiterung oder Neuplanung des Lagers
  • Einführung neuer Lagertechnik oder Automatisierungslösungen
  • Stark steigende Lagerkosten ohne erkennbare Ursache
  • Vorbereitung auf Ausschreibungen für Lagerdienstleistungen oder Technik
  • Restrukturierung der Lagerlogistik im Zuge von Unternehmensveränderungen

Externe Berater bringen Branchenvergleiche, methodisches Know-how und Erfahrung aus vielen Projekten mit. Sie können Schwachstellen identifizieren, die intern oft nicht sichtbar sind, und Empfehlungen auf Basis belastbarer Daten aussprechen, nicht auf Basis von Annahmen.

Wie wir bei IbH Schepper bei der Lagerkostenkalkulation unterstützen

Wir bei IbH Schepper begleiten Unternehmen bei der vollständigen Analyse und Optimierung ihrer Intralogistik, von der Datenerhebung bis zur konkreten Umsetzung. Unsere Arbeit beginnt mit einer fundierten Datenanalyse, die alle relevanten Kostenarten, Materialflüsse und Lagerprozesse erfasst. Auf dieser Basis entwickeln wir unternehmensspezifische Konzepte, die wirtschaftlich nachhaltig und technisch realisierbar sind.

Was wir konkret für Sie tun:

  • Vollständige Erfassung und Auswertung Ihrer Lagerkostendaten
  • Identifikation von Kostentreibern und Optimierungspotenzialen in der Lagerlogistik
  • Entwicklung von Konzepten zur Lageroptimierung, inklusive Layoutplanung und Materialflussplanung
  • Begleitung durch alle Projektphasen: von der ersten Idee bis zur technischen Abnahme
  • Herstellerunabhängige Beratung, die Ihre Interessen in den Mittelpunkt stellt

Wenn Sie wissen möchten, wo in Ihrer Lagerlogistik Kosten versteckt sind und wie Sie diese gezielt reduzieren können, sprechen Sie uns an. Nehmen Sie Kontakt mit uns auf und wir schauen gemeinsam, wo wir ansetzen können.

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