Welche Daten braucht man für die Planung einer Lagerautomatisierung?

Marko Schepper ·
Logistikberater-Schreibtisch mit Lagerflussdiagrammen, Inventartabellen, Lineal und Textmarker; automatisiertes Lager im Hintergrund sichtbar.

Wer eine Lagerautomatisierung plant, steht früh vor einer entscheidenden Frage: Welche Daten brauche ich eigentlich, um fundierte Entscheidungen zu treffen? Die Antwort darauf ist nicht trivial. Ohne eine solide Datenbasis lassen sich weder geeignete Automatisierungslösungen auswählen noch realistische Investitionskosten kalkulieren. Erfahrungsgemäß zeigt sich: Je ausführlicher die Datenanalyse für die Lagerautomatisierung durchgeführt wird, desto präziser und tragfähiger ist das Planungsergebnis.

Dieser Beitrag gibt einen strukturierten Überblick darüber, welche Daten für die Intralogistikplanung tatsächlich relevant sind, worauf es bei der Datenqualität ankommt und wie eine professionelle Analyse den Weg zur richtigen Systemauswahl ebnet.

Stammdaten und Bewegungsdaten als Planungsgrundlage

Jede seriöse Planung einer Lagerautomatisierung beginnt mit zwei grundlegenden Datenkategorien: Stammdaten und Bewegungsdaten. Beide liefern unterschiedliche, aber gleichermaßen unverzichtbare Informationen.

Stammdaten beschreiben die statischen Eigenschaften der Artikel, die im Lager gehandhabt werden. Dazu gehören Artikelnummern, Abmessungen (Länge, Breite, Höhe, Gewicht), Verpackungseinheiten sowie Lagerklassen oder Gefahrstoffkennzeichnungen. Diese Daten sind die Grundlage für die Auswahl geeigneter Lagertechnik, etwa ob ein Hochregallager, ein Shuttlesystem oder ein Behälterlager infrage kommt.

Bewegungsdaten hingegen zeigen das dynamische Verhalten des Lagers über einen definierten Zeitraum. Relevant sind insbesondere Wareneingangspositionen und -mengen, Kommissionieraufträge, Auftragsstrukturen (Anzahl Positionen je Auftrag), Auftragshäufigkeiten sowie Warenausgangsdaten. Diese Daten sollten idealerweise für mindestens zwölf Monate vorliegen, um saisonale Schwankungen abbilden zu können. Für die Planung und Optimierung der Intralogistik sind Bewegungsdaten oft aussagekräftiger als die bloße Bestandsgröße.

Kennzahlen zur Lagerstruktur und zum Materialfluss

Aus den Stamm- und Bewegungsdaten lassen sich konkrete Planungskennzahlen ableiten, die das Herzstück jeder Automatisierungsplanung bilden. Diese Kennzahlen beschreiben sowohl die Lagerstruktur als auch den Materialfluss und ermöglichen eine präzise Dimensionierung des zukünftigen Systems.

Wesentliche Kennzahlen im Überblick

  • Lagerbestand und Umschlagshäufigkeit: Wie viele Artikel liegen im Durchschnitt auf Lager, und wie oft wird der Bestand pro Jahr umgeschlagen? Diese Kennzahl beeinflusst direkt die benötigte Lagerkapazität.
  • Durchsatzanforderungen: Wie viele Ein- und Auslagerungen müssen pro Stunde oder pro Schicht bewältigt werden? Spitzenwerte sind hier genauso wichtig wie Durchschnittswerte.
  • ABC/XYZ-Analyse: Die ABC-Analyse klassifiziert Artikel nach Umsatzanteil, die XYZ-Analyse nach der Vorhersagbarkeit des Bedarfs. Gemeinsam geben sie Aufschluss darüber, welche Artikel häufig bewegt werden und damit besonders zugänglich gelagert sein sollten.
  • Auftragsstruktur: Einpositionsaufträge verhalten sich grundlegend anders als Mehrpositionsaufträge. Die Verteilung dieser Strukturen hat direkten Einfluss auf die Wahl der Kommissionierstrategie.
  • Materialflussdiagramm: Die Visualisierung aller Warenströme innerhalb des Lagers macht Engpässe sichtbar und zeigt, wo Automatisierung den größten Nutzen entfalten kann.

Ergänzend sind Informationen zur vorhandenen Infrastruktur wichtig: Hallengrundrisse, Deckenhöhen, Torpositionen und bestehende IT-Systeme wie ERP oder WMS (Warehouse Management System) fließen in die Layoutplanung ein und bestimmen, welche technischen Lösungen überhaupt realisierbar sind.

Qualität und Vollständigkeit der Daten sicherstellen

Selbst die umfangreichsten Datensätze sind wenig wert, wenn ihre Qualität nicht stimmt. Fehlende Werte, Inkonsistenzen oder veraltete Stammdaten führen zu Planungsfehlern, die sich erst in einem späten Projektstadium zeigen und dann kostspielig zu korrigieren sind.

Auf folgende Aspekte sollte besonders geachtet werden:

  • Vollständigkeit: Sind alle relevanten Artikel mit ihren Abmessungen und Gewichten erfasst? Fehlen Artikelklassen oder Lagerbereiche in den Bewegungsdaten?
  • Konsistenz: Stimmen die Einheiten überein? Werden Mengen überall in derselben Einheit (Stück, Karton, Palette) angegeben?
  • Aktualität: Spiegeln die Daten den tatsächlichen, aktuellen Betrieb wider, oder stammen sie aus einer Phase, die nicht mehr repräsentativ ist?
  • Zeitliche Abdeckung: Ein Datenzeitraum von weniger als sechs Monaten kann saisonale Spitzen unterschätzen und zu einer Unterdimensionierung des Systems führen.

Die Herkunft der Daten spielt ebenfalls eine Rolle. Daten aus dem ERP-System sind oft strukturierter als manuell gepflegte Listen, können aber eigene Lücken aufweisen. Eine kritische Prüfung der Datenquelle ist daher ebenso wichtig wie die Prüfung der Daten selbst.

Wie eine professionelle Datenanalyse die Planung präzisiert

Eine strukturierte Datenanalyse ist weit mehr als das bloße Sammeln von Zahlen. Sie interpretiert die Daten, setzt sie in Beziehung zueinander und leitet daraus konkrete Anforderungen an das zukünftige Lager- und Automatisierungssystem ab.

Im Rahmen einer professionellen Analyse digitaler Prozesse und Datenflüsse werden unter anderem folgende Fragen beantwortet:

  • Welche Lagerbereiche sind überlastet, welche werden kaum genutzt?
  • Wo entstehen Wartezeiten oder Engpässe im Materialfluss?
  • Welche Artikel eignen sich für eine vollautomatische Handhabung, welche erfordern manuelle Prozesse?
  • Wie stark schwankt der Durchsatz zwischen Normalzeiten und Spitzenphasen?

Die Ergebnisse werden in Materialflussdiagrammen und Planungskennzahlen zusammengefasst, die als Grundlage für die anschließende Layoutplanung dienen. Erst auf Basis dieser Auswertung können verschiedene Automatisierungsvarianten sinnvoll miteinander verglichen und bewertet werden. Eine Datenanalyse, die diesen Anspruch erfüllt, schafft Transparenz und minimiert das Risiko von Fehlinvestitionen erheblich.

Von der Datengrundlage zur konkreten Systemauswahl

Sind die Daten analysiert und die Planungskennzahlen ermittelt, beginnt die eigentliche Konzeptarbeit. Die Datenbasis entscheidet maßgeblich darüber, welche Automatisierungslösung für den jeweiligen Betrieb geeignet ist. Ein Hochregallager mit vollautomatischer Ein- und Auslagerung stellt andere Anforderungen als ein AutoStore-System oder eine automatisierte Kommissionieranlage.

Folgende Faktoren fließen auf Basis der Datenanalyse in die Systemauswahl ein:

  • Durchsatzanforderungen bestimmen, wie schnell das System arbeiten muss und welche Fördertechnik benötigt wird.
  • Artikelspektrum und Lagerstruktur legen fest, welche Lagertechnologien überhaupt kompatibel sind.
  • Wachstumsprognosen zeigen, ob das System skalierbar ausgelegt werden muss.
  • IT-Infrastruktur bestimmt, wie aufwendig die Integration in bestehende ERP- und WMS-Systeme ist.

Auf dieser Grundlage entstehen Layoutvarianten, die in 2D und 3D visualisiert und mit konkreten Investitionskosten hinterlegt werden. Eine Wirtschaftlichkeitsanalyse mit Amortisationszeitberechnung schließt die Konzeptphase ab und gibt Entscheidern eine belastbare Grundlage für die weiteren Schritte.

Wie IbH Schepper die Datenanalyse für Ihre Lagerautomatisierung begleitet

Wir bei IbH Schepper begleiten Unternehmen von der ersten Datenerhebung bis zur technischen Abnahme des automatisierten Systems. Als herstellerunabhängige Intralogistikberater sind wir keinem Systemanbieter verpflichtet, was eine vollständig neutrale Bewertung aller Optionen ermöglicht.

Unsere Leistungen im Bereich Datenanalyse und Intralogistikplanung umfassen unter anderem:

  • Systematische Erfassung und Aufbereitung von Stamm- und Bewegungsdaten aus Ihren bestehenden Systemen
  • ABC/XYZ-Analysen und Materialflussdiagramme zur Identifikation von Engpässen und Optimierungspotenzialen
  • Ableitung von Planungskennzahlen als Grundlage für die Layoutplanung
  • Entwicklung und Bewertung von Automatisierungsvarianten inklusive Wirtschaftlichkeitsanalyse
  • Erstellung vollständiger Ausschreibungsunterlagen und Begleitung der Anbieterauswahl
  • Projektbegleitung bis zur technischen Abnahme nach FEM-Richtlinien

Mit über 45 Jahren Erfahrung und mehr als 500 realisierten Projekten in unterschiedlichsten Branchen wissen wir, worauf es bei der Datengrundlage ankommt und wie aus belastbaren Zahlen eine tragfähige Automatisierungslösung entsteht. Sprechen Sie uns an und lassen Sie uns gemeinsam prüfen, welche Daten für Ihr Projekt vorliegen und wo wir ansetzen können. Nehmen Sie jetzt Kontakt auf und vereinbaren Sie ein unverbindliches Erstgespräch.

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