Welche Lagerstruktur passt zu meinem Wachstum?

Marko Schepper ·
Modernes Lagerhaus mit mehrstufigen Stahlregalsystemen, die sich von kleinen Einheiten im Vordergrund bis zu hohen Industrieregalen erstrecken.

Wachstum ist für Unternehmen eine gute Nachricht. Aber für die Lagerlogistik bedeutet es oft: Was gestern noch funktioniert hat, stößt heute an seine Grenzen. Mehr Artikel, mehr Aufträge, mehr Komplexität. Die Frage, welche Lagerstruktur zum eigenen Wachstum passt, ist daher keine theoretische Überlegung, sondern eine sehr praktische. Wer frühzeitig die richtige Intralogistik aufbaut, spart sich später teure Umstrukturierungen und vermeidet operative Engpässe.

Dieser Artikel zeigt Ihnen, wann eine neue Lagerstruktur notwendig wird, welche Systeme es gibt, worauf es bei der Auswahl ankommt, und wie Sie typische Fehler vermeiden. Damit haben Sie eine solide Grundlage für Ihre nächste Lagerplanung.

Wachstumssignale, die eine neue Lagerstruktur erfordern

Nicht jedes Unternehmen merkt sofort, wenn die eigene Lagerstruktur nicht mehr zum Wachstum passt. Die Signale sind oft schleichend: Die Durchlaufzeiten steigen, Fehler bei der Kommissionierung häufen sich, Mitarbeitende suchen länger nach Artikeln, und die Übersicht über den Bestand geht verloren.

Konkrete Anzeichen, dass Handlungsbedarf besteht, sind unter anderem:

  • Die Lagerkapazität ist dauerhaft ausgelastet oder überschritten
  • Die Anzahl der Artikelstammdaten (SKUs) ist stark gestiegen
  • Neue Vertriebskanäle, zum Beispiel E-Commerce, stellen andere Anforderungen an die Auftragsabwicklung
  • Saisonale Spitzen lassen sich kaum noch abfedern
  • Die Fehlerquote bei der Kommissionierung nimmt zu

Wer diese Signale früh erkennt, kann gezielt gegensteuern, anstatt unter Zeitdruck reagieren zu müssen. Eine strukturierte Lageroptimierung beginnt immer mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme des Ist-Zustands.

Lagerstrukturen im Vergleich: Vor- und Nachteile der gängigen Systeme

Es gibt nicht das eine ideale Lagersystem. Welches Konzept passt, hängt von der Artikelstruktur, den Auftragsmengen und dem verfügbaren Raum ab. Die gängigsten Lagerstrukturen lassen sich grob in drei Kategorien einteilen.

Statische Lagersysteme

Klassische Regallager, Palettenregale oder Fachbodenregale sind einfach aufgebaut und kostengünstig in der Anschaffung. Sie eignen sich gut für überschaubare Sortimente mit stabilen Mengen. Der Nachteil: Flächeneffizienz und Zugriffsgeschwindigkeit sind begrenzt. Bei wachsender SKU-Zahl stoßen statische Systeme schnell an ihre Grenzen.

Dynamische Lagersysteme

Durchlaufregale, Verschieberegale oder Umlaufregale erhöhen die Flächennutzung erheblich und unterstützen das FIFO-Prinzip (First In, First Out), also die Entnahme nach Einlagerungsdatum. Sie eignen sich besonders für Unternehmen mit hohem Durchsatz und begrenztem Platz. Die Investitionskosten sind höher, amortisieren sich aber bei entsprechendem Volumen.

Automatisierte Lagersysteme

Automatische Kleinteilelager (AKL), Hochregallager oder Shuttle-Systeme bieten maximale Raumausnutzung und hohe Pickleistungen. Sie sind für Unternehmen mit sehr großen Mengen und hohen Anforderungen an Geschwindigkeit und Genauigkeit geeignet. Der Investitionsaufwand ist entsprechend hoch, weshalb eine fundierte Wirtschaftlichkeitsrechnung vor der Entscheidung unverzichtbar ist.

Welche Faktoren die Wahl der Lagerstruktur bestimmen

Die Wahl des richtigen Lagerkonzepts ist keine Frage des persönlichen Geschmacks, sondern das Ergebnis einer strukturierten Analyse. Mehrere Faktoren spielen dabei eine zentrale Rolle.

  • Artikelstruktur: Wie viele verschiedene Artikel gibt es, wie groß und schwer sind sie, und wie häufig werden sie bewegt?
  • Auftragsstruktur: Sind es viele Kleinaufträge oder wenige große? Gibt es Saisonspitzen?
  • Durchsatz: Wie viele Lagerbewegungen finden täglich statt?
  • Verfügbare Fläche und Hallenhöhe: Welcher Raum steht tatsächlich zur Verfügung?
  • Wachstumsprognose: Wie soll sich das Unternehmen in den nächsten fünf bis zehn Jahren entwickeln?
  • Budget: Was ist heute investierbar, und was rechnet sich langfristig?

Besonders die Datenanalyse spielt hier eine wichtige Rolle. Je genauer die Bewegungsdaten aus dem Warenwirtschaftssystem ausgewertet werden, desto präziser lässt sich das passende Lagersystem dimensionieren. Eine fundierte Lagerplanung und Optimierung basiert immer auf belastbaren Zahlen, nicht auf Schätzwerten.

Skalierbare Lagerplanung: Flexibilität für künftiges Wachstum einbauen

Ein Lagersystem, das heute perfekt passt, kann in drei Jahren schon wieder zu eng sein. Deshalb ist Skalierbarkeit ein wichtiges Kriterium bei der Lagerplanung. Skalierbar bedeutet: Das System lässt sich bei Bedarf erweitern, ohne komplett neu aufgebaut werden zu müssen.

Praktisch umsetzen lässt sich das zum Beispiel durch:

  • Modulare Regalsysteme, die in der Fläche oder Höhe erweiterbar sind
  • Softwareseitige Offenheit für spätere Automatisierungsstufen
  • Ausreichend dimensionierte Fördertechnik mit Reservekapazitäten
  • Layoutplanung mit definierten Erweiterungszonen

Wer Flexibilität von Anfang an einplant, vermeidet teure Nachbesserungen. Das erfordert allerdings, dass das Wachstumsszenario bereits in der Planungsphase konkret durchgespielt wird, nicht erst dann, wenn die Grenzen bereits erreicht sind.

Typische Fehler bei der Anpassung von Lagerstrukturen

In der Praxis wiederholen sich bestimmte Fehler immer wieder, wenn Unternehmen ihre Lagerstruktur anpassen. Sie zu kennen, hilft dabei, sie zu vermeiden.

Zu kurzfristig gedacht: Viele Unternehmen planen nur für den aktuellen Bedarf, ohne Wachstum einzurechnen. Das führt dazu, dass das neue System schon kurz nach der Inbetriebnahme wieder zu klein ist.

Unzureichende Datengrundlage: Entscheidungen werden auf Basis von Bauchgefühl oder veralteten Zahlen getroffen. Ohne aktuelle Bewegungsdaten ist eine präzise Dimensionierung kaum möglich.

Systemwahl ohne Prozessanalyse: Ein technisch hochwertiges Lagersystem nützt wenig, wenn die internen Prozesse nicht dazu passen. Technik und Organisation müssen zusammenpassen.

Fehlende Einbindung der Mitarbeitenden: Wer das Team nicht frühzeitig in Veränderungen einbezieht, riskiert Akzeptanzprobleme und Fehler in der Einführungsphase.

Keine neutrale Beratung: Wer ausschließlich auf Anbieter von Lagertechnik hört, bekommt naturgemäß Empfehlungen, die deren Produktportfolio widerspiegeln. Eine herstellerunabhängige Perspektive schützt vor einseitigen Lösungen.

Nächste Schritte: Vom Ist-Zustand zur optimalen Lagerstruktur

Der Weg zur richtigen Lagerstruktur beginnt mit einer strukturierten Analyse des Ist-Zustands. Das klingt einfach, erfordert aber Disziplin und die richtigen Werkzeuge.

Ein bewährter Ablauf sieht so aus:

  1. Datenerhebung: Artikel- und Auftragsdaten aus dem Warenwirtschaftssystem auswerten, Lagerbewegungen analysieren, Engpässe dokumentieren
  2. Bedarfsermittlung: Künftigen Bedarf auf Basis von Wachstumsprognosen ableiten
  3. Konzeptentwicklung: Verschiedene Lagerkonzepte durchspielen und wirtschaftlich bewerten
  4. Layoutplanung: Das bevorzugte Konzept räumlich planen und Materialflüsse simulieren
  5. Ausschreibung und Vergabe: Anbieter neutral vergleichen und auf Basis klarer Kriterien auswählen
  6. Umsetzung und Abnahme: Realisierung begleiten und das System nach definierten Kriterien abnehmen

Jeder dieser Schritte baut auf dem vorherigen auf. Wer einen überspringt, riskiert Fehler, die sich später nur mit erheblichem Aufwand korrigieren lassen. Besonders die Schritte Datenerhebung und Konzeptentwicklung verdienen mehr Zeit, als viele Unternehmen ihnen geben.

Wie IbH Schepper Sie bei der Lagerplanung unterstützt

Wir begleiten Unternehmen bei genau diesem Prozess, von der ersten Analyse bis zur technischen Abnahme. Als herstellerunabhängige Logistikberatung haben wir keine Produktinteressen, die unsere Empfehlungen beeinflussen. Unser Fokus liegt ausschließlich auf der Lösung, die zu Ihrem Unternehmen passt.

Was wir konkret für Sie tun:

  • Strukturierte Datenanalyse Ihrer Artikel- und Auftragsdaten
  • Entwicklung unternehmensspezifischer Lagerkonzepte auf Basis belastbarer Zahlen
  • Neutrale Layoutplanung und Materialflussplanung
  • Herstellerneutrale Ausschreibung und Vergabe
  • Begleitung der Umsetzung und technische Abnahme nach FEM

Mit über 45 Jahren Erfahrung in der Intralogistik wissen wir, worauf es ankommt, und sprechen mit Ihnen auf Augenhöhe. Wenn Sie wissen möchten, welche Lagerstruktur zu Ihrem Wachstum passt, nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf. Wir schauen gemeinsam mit Ihnen auf Ihren Ist-Zustand und entwickeln von dort aus den nächsten sinnvollen Schritt.

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