Automatisierung ist in aller Munde. Viele Unternehmen spüren den Druck, ihre Intralogistik effizienter zu gestalten, Kosten zu senken und gleichzeitig flexibel zu bleiben. Doch bevor man Prozesse automatisiert, stellt sich eine ganz grundlegende Frage: Welche Prozesse lassen sich überhaupt automatisieren, und welche sollte man besser nicht anfassen? Die Antwort ist selten schwarz-weiß. Sie hängt von Daten, Strukturen und einer ehrlichen Bestandsaufnahme ab.
Dieser Artikel gibt Ihnen einen praxisnahen Überblick darüber, wo in der Lagerlogistik und Intralogistik echtes Automatisierungspotenzial steckt, worauf Sie bei der Planung achten sollten und welche Fehler sich vermeiden lassen.
Typische Bereiche mit hohem Automatisierungspotenzial
In der Intralogistik gibt es eine Reihe von Bereichen, die sich besonders gut für Automatisierung eignen. Gemeinsam haben sie meistens eines: hohe Wiederholungsraten, klare Regeln und gut strukturierte Daten.
- Lagerverwaltung und Bestandsführung: Automatische Buchungen, Inventurprozesse und Bestandsabgleiche lassen sich mit modernen Warehouse-Management-Systemen (WMS) zuverlässig abbilden.
- Wareneingang und Vereinnahmung: Barcode- oder RFID-gestützte Erfassung ersetzt manuelle Eingaben und reduziert Fehlerquoten spürbar.
- Innerbetrieblicher Transport: Fahrerlose Transportsysteme (FTS) oder Förderanlagen übernehmen repetitive Transportaufgaben zwischen Lagerorten, Kommissionierung und Versand.
- Kommissionierung: Hier bieten sich je nach Sortimentsstruktur automatische Kleinteilelager (AKL), Goods-to-Person-Systeme oder Pick-by-Light-Lösungen an.
- Verpackung und Versandvorbereitung: Automatische Verpackungsmaschinen, Etikettierung und Sortieranlagen arbeiten in vielen Branchen bereits vollständig ohne manuellen Eingriff.
Wichtig ist: Nicht jede Lösung passt zu jedem Unternehmen. Die Eignung hängt stark vom Auftragsvolumen, der Artikelvielfalt und den räumlichen Gegebenheiten ab.
Datenanalyse als Grundlage der Automatisierungsentscheidung
Bevor ein einziges System geplant oder ein Angebot eingeholt wird, steht die Analyse. Wer Prozesse automatisieren möchte, ohne vorher seine Daten gründlich ausgewertet zu haben, riskiert teure Fehlentscheidungen.
Eine fundierte Datenanalyse in der Intralogistikplanung umfasst typischerweise folgende Aspekte:
- Auftragsstruktur und Auftragsvolumen (täglich, wöchentlich, saisonal)
- Artikelanzahl und Umschlagshäufigkeit (ABC/XYZ-Analyse)
- Gewichte, Maße und Handhabbarkeit der Artikel
- Ist-Prozesse und deren tatsächliche Durchlaufzeiten
- Fehlerquellen und Engpässe im aktuellen Ablauf
Je detaillierter diese Analyse durchgeführt wird, desto präziser lässt sich beurteilen, welche Automatisierungslösung tatsächlich Sinn ergibt. Bauchgefühl ist hier kein guter Ratgeber.
Nicht jeder Prozess eignet sich für Automatisierung
Automatisierung ist kein Allheilmittel. Manche Prozesse sind so variabel, komplex oder von menschlichem Urteilsvermögen abhängig, dass eine Automatisierung entweder technisch nicht sinnvoll oder wirtschaftlich nicht tragfähig ist.
Typische Beispiele für Prozesse, die sich schlecht automatisieren lassen:
- Sehr heterogene Warenströme mit stark wechselnden Artikeleigenschaften
- Prozesse mit hohem Anteil an Sonderfällen, Ausnahmen oder Kundenindividualität
- Tätigkeiten, die feines motorisches Geschick oder situatives Einschätzen erfordern
- Bereiche mit sehr geringen Volumina, bei denen sich die Investition schlicht nicht rechnet
Die ehrliche Frage lautet nicht nur „Können wir das automatisieren?“, sondern „Sollten wir es automatisieren, und was kostet uns das im Verhältnis zum Nutzen?“ Diese Abwägung ist ein zentraler Teil jeder seriösen Logistikberatung.
Schrittweise oder vollständige Automatisierung – was passt wann?
Nicht jedes Unternehmen startet mit einer Greenfield-Planung auf der grünen Wiese. Viele Betriebe arbeiten in gewachsenen Strukturen, mit laufendem Betrieb und begrenztem Investitionsbudget. In solchen Situationen ist eine schrittweise Automatisierung oft der realistischere Weg.
Schrittweise Automatisierung
Hier werden einzelne Teilprozesse nacheinander automatisiert, zum Beispiel zuerst der Wareneingang, später die Kommissionierung. Das ermöglicht es, Erfahrungen zu sammeln, Mitarbeiter schrittweise einzubinden und die Investitionen über mehrere Jahre zu verteilen. Risiken lassen sich so besser kontrollieren.
Vollständige Automatisierung
Eine vollständige Automatisierung bietet sich vor allem dann an, wenn ein Neubau oder eine grundlegende Restrukturierung ohnehin geplant ist. In solchen Projekten lassen sich Materialflüsse, Layoutplanung und Systemauswahl von Anfang an aufeinander abstimmen. Das Ergebnis ist in der Regel effizienter als das nachträgliche Anpassen bestehender Strukturen.
Welcher Ansatz besser passt, lässt sich nicht pauschal beantworten. Es kommt auf die strategischen Ziele, die Wachstumsperspektiven und die vorhandene Infrastruktur an.
Häufige Fehler bei der Planung von Automatisierungsprojekten
Automatisierungsprojekte scheitern selten an der Technik. Häufiger liegt es an Planungsfehlern, die sich mit etwas Sorgfalt vermeiden lassen.
- Unzureichende Datengrundlage: Wer mit ungenauen oder veralteten Daten plant, bekommt ein System, das nicht zur Realität passt.
- Zu enge Auslegung: Systeme, die nur für den heutigen Bedarf ausgelegt sind, stoßen beim nächsten Wachstumsschub schnell an ihre Grenzen.
- Herstellerabhängigkeit: Wer sich zu früh an einen Anbieter bindet, verliert Verhandlungsspielraum und Flexibilität bei der Systemauswahl.
- Fehlende Einbindung der Mitarbeiter: Automatisierung verändert Arbeitsabläufe grundlegend. Wer das Team nicht frühzeitig einbindet, riskiert Widerstände und Fehler im Betrieb.
- Kein klarer Projektrahmen: Ohne definierte Meilensteine, Verantwortlichkeiten und Abnahmekriterien geraten Projekte schnell aus dem Ruder.
Besonders der Punkt Herstellerunabhängigkeit wird häufig unterschätzt. Eine neutrale Begleitung durch erfahrene Logistikplaner schützt davor, vorschnell in eine Richtung gedrängt zu werden, die nicht zum eigenen Unternehmen passt.
Automatisierung als Teil einer ganzheitlichen Intralogistikstrategie
Automatisierung ist kein Selbstzweck. Sie entfaltet ihren vollen Nutzen erst dann, wenn sie in eine durchdachte Gesamtstrategie für die Intralogistik eingebettet ist. Das bedeutet: Prozesse, Systeme, Flächen und Menschen müssen zusammenpassen.
Eine ganzheitliche Intralogistikstrategie berücksichtigt unter anderem:
- Die langfristige Unternehmensstrategie und Wachstumsziele
- Die Digitalisierung angrenzender Bereiche wie Einkauf, Produktion und Versand
- Die Skalierbarkeit der gewählten Lösungen
- Die Qualifikation und Weiterentwicklung der Mitarbeiter
- Wirtschaftlichkeit über den gesamten Lebenszyklus der Anlage
Wer Lagerlogistik automatisieren möchte, sollte daher nicht mit der Frage „Welche Maschine kaufen wir?“ starten, sondern mit der Frage „Wo wollen wir in fünf Jahren stehen, und welche Prozesse müssen dafür wie funktionieren?“ Aus dieser strategischen Perspektive heraus ergibt sich dann, welche Automatisierungsmaßnahmen sinnvoll sind und in welcher Reihenfolge sie umgesetzt werden sollten.
Wie wir bei IbH bei der Automatisierung Ihrer Intralogistik helfen
Genau an diesem Punkt setzen wir an. Als herstellerunabhängige Logistikberater begleiten wir Unternehmen von der ersten Analyse bis zur technischen Abnahme. Wir helfen Ihnen dabei, automatisierbare Prozesse zu identifizieren, die richtige Strategie zu entwickeln und Projekte sicher umzusetzen. Das umfasst konkret:
- Fundierte Datenanalyse als Grundlage jeder Automatisierungsentscheidung
- Herstellerneutrale Konzeptentwicklung ohne Interessenkonflikte
- Layoutplanung und logistische Detailplanung für neue oder bestehende Standorte
- Ausschreibung und Vergabe, damit Sie die beste Lösung zum besten Preis erhalten
- Objektüberwachung und technische Abnahme nach FEM-Richtlinien
Mit über 45 Jahren Erfahrung in der Intralogistik wissen wir, worauf es ankommt. Wenn Sie wissen möchten, welche Prozesse in Ihrem Unternehmen Automatisierungspotenzial haben, sprechen Sie uns gerne an. Nehmen Sie jetzt Kontakt auf, und wir schauen gemeinsam, was für Ihre Intralogistik möglich ist.
