Welche Rolle spielt Intralogistik bei der Lagerplanung eines Neubaus?

Marko Schepper ·
Logistikberater prüft Lagerhaus-Grundrisse und Architekturpläne auf einem Zeichentisch, Maßstabsmodell in der Ecke.

Intralogistik spielt bei der Lagerplanung eines Neubaus eine zentrale Rolle, weil sie die Grundlage für alle baulichen und technischen Entscheidungen bildet. Ohne ein klares intralogistisches Konzept entstehen Gebäude, die zwar optisch fertig wirken, aber funktional nicht zu den tatsächlichen Abläufen passen. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um Intralogistik, Lagerplanung und Logistikplanung im Neubaukontext.

Welche Intralogistik-Anforderungen muss ein Neubau erfüllen?

Ein Neubau muss die innerbetrieblichen Material- und Warenflüsse von Anfang an baulich unterstützen. Dazu gehören ausreichende Deckenhöhen für geplante Regalsysteme, die richtige Anzahl und Lage von Toren und Rampen, geeignete Bodenlasten sowie ausreichende Flächen für Kommissionierung, Pufferung und Technikräume. Wer diese Anforderungen erst nach dem Rohbau definiert, schränkt sich massiv ein.

Konkret bedeutet das: Die Intralogistik gibt vor, wie das Gebäude gebaut werden muss, nicht umgekehrt. Typische Anforderungen, die frühzeitig feststehen müssen, sind:

  • Nutzlast des Bodens je Quadratmeter
  • Lichte Raumhöhe abhängig vom geplanten Lagersystem
  • Position und Breite von Toren für Stapler, Fördertechnik oder LKW
  • Energieversorgung für automatisierte Systeme
  • Brandschutzanforderungen in Abhängigkeit vom Lagergut

Diese Parameter lassen sich nicht nachträglich günstig korrigieren. Ein zu niedriges Dach oder eine falsch platzierte Stützenreihe kann die gesamte Lagerlogistik dauerhaft beeinträchtigen.

Wann sollte Intralogistik in die Neubauplanung einbezogen werden?

Intralogistik sollte in die Neubauplanung einbezogen werden, bevor der Architekt den ersten Grundriss zeichnet. Der optimale Zeitpunkt liegt in der Konzeptphase, also noch vor der Baugenehmigung. Je früher die logistischen Anforderungen bekannt sind, desto mehr Spielraum besteht für wirtschaftlich sinnvolle Lösungen.

In der Praxis werden Logistikplaner häufig zu spät hinzugezogen, oft erst, wenn der Rohbau steht oder die Baugenehmigung bereits erteilt wurde. Das führt zu teuren Kompromissen. Idealerweise läuft die Logistikplanung parallel zur Architektenplanung, sodass beide Disziplinen voneinander profitieren und das Ergebnis wirklich zu den Abläufen des Unternehmens passt.

Wie beeinflusst die Datenanalyse die Lagerplanung eines Neubaus?

Die Datenanalyse ist die Grundlage jeder belastbaren Lagerplanung. Sie liefert konkrete Zahlen zu Artikelanzahl, Umschlaghäufigkeit, Auftragsstrukturen, Gewichten und Abmessungen der Lagereinheiten. Auf dieser Basis lässt sich berechnen, wie viele Stellplätze benötigt werden, welche Lagertechnologie sinnvoll ist und wie der Materialfluss organisiert werden sollte.

Ohne eine sorgfältige Datenanalyse bleibt die Planung Spekulation. Ein Neubau, der auf groben Schätzungen basiert, wird entweder zu klein dimensioniert und muss nach wenigen Jahren erweitert werden, oder er ist überdimensioniert und verursacht unnötige Bau- und Betriebskosten. Je detaillierter die Datengrundlage, desto präziser das Ergebnis und desto wirtschaftlicher der Neubau im laufenden Betrieb.

Relevante Daten für die Lagerplanung umfassen unter anderem:

  • Artikelstammdaten mit Abmessungen und Gewichten
  • Bestandsmengen und Reichweiten
  • Auftragsvolumen und Schwankungsbreiten (Saisonalität)
  • Wareneingangs- und Warenausgangsmengen je Zeiteinheit
  • Wachstumsprognosen für die nächsten fünf bis zehn Jahre

Welche Lagertechnologien kommen bei einem Neubau infrage?

Bei einem Neubau kommen grundsätzlich alle Lagertechnologien infrage, weil keine baulichen Altlasten berücksichtigt werden müssen. Die Auswahl hängt von den Artikelstrukturen, dem Durchsatz, dem Budget und dem Automatisierungsgrad ab, den das Unternehmen anstrebt.

Typische Lagertechnologien, die bei Neubauten eingesetzt werden:

  • Konventionelle Palettenregale für universelle Lagerung mit Stapler- oder Regalbediengerät-Bedienung
  • Hochregallager (HRL) für hohe Lagerdichte bei großen Mengen und standardisierten Ladeeinheiten
  • Verschieberegale für platzsparende Lagerung bei geringerem Durchsatz
  • Automatische Kleinteilelager (AKL) für kleinteilige Artikel mit hoher Kommissionierfrequenz
  • Shuttle-Systeme für hohen Durchsatz bei begrenzter Grundfläche
  • Bodenlagerung und Blocklager für homogene Waren mit geringer Variantenvielfalt

Ein Neubau bietet den Vorteil, dass Deckenhöhe, Stützenraster und Bodenlasten von Anfang an auf die gewählte Technologie abgestimmt werden können. Das senkt die Investitionskosten und verbessert die Effizienz im Betrieb.

Was ist der Unterschied zwischen Layoutplanung und logistischer Detailplanung?

Die Layoutplanung legt fest, wo sich welche Bereiche im Gebäude befinden: Lager, Kommissionierung, Wareneingang, Warenausgang, Büros und Sozialräume. Die logistische Detailplanung geht einen Schritt weiter und definiert, wie diese Bereiche intern organisiert sind, welche Technik eingesetzt wird, wie Materialflüsse geführt werden und welche Prozesse ablaufen.

Vereinfacht gesagt: Das Layout zeigt das große Bild, die Detailplanung füllt es mit konkreten Inhalten. Beide Planungsstufen bauen aufeinander auf und dürfen nicht isoliert betrachtet werden.

In der Layoutplanung werden zum Beispiel festgelegt:

  • Flächenaufteilung und Zonenkonzept
  • Wegeführung für Stapler und Fußgänger
  • Lage von Toren und Andockstellen

Die logistische Detailplanung umfasst dann:

  • Regalkonfigurationen und Stellplatzdimensionierung
  • Fördertechnikkonzepte und Schnittstellen
  • IT- und Steuerungsarchitektur
  • Arbeitszeitmodelle und Personalbedarfsberechnungen

Welche Fehler entstehen, wenn Intralogistik zu spät geplant wird?

Wenn Intralogistik zu spät in die Neubauplanung einbezogen wird, entstehen strukturelle Fehler, die sich im laufenden Betrieb täglich bemerkbar machen und nur mit hohem Aufwand oder gar nicht korrigiert werden können. Der häufigste Fehler: Das Gebäude ist gebaut, aber die Logistik passt nicht hinein.

Typische Folgen einer zu späten Intralogistikplanung sind:

  • Zu geringe Deckenhöhe für das geplante Regalsystem, was die Lagerdichte dauerhaft reduziert
  • Falsch platzierte Stützen, die den Materialfluss behindern oder Regalkonfigurationen unmöglich machen
  • Zu wenige oder falsch positionierte Tore, die Wareneingang und Warenausgang verlangsamen
  • Unzureichende Bodenlasten für schwere Regalsysteme oder Fahrzeuge
  • Fehlende Energieversorgung für automatisierte Systeme an den benötigten Stellen
  • Suboptimale Flächenaufteilung, die ineffiziente Wege und Prozesse erzwingt

Nachträgliche Korrekturen sind teuer, manchmal baulich nicht möglich und führen im besten Fall zu Kompromisslösungen, die den Betrieb dauerhaft einschränken. Wer beim Neubau spart und die Intralogistikplanung verschiebt, zahlt diesen Aufschub in der Regel über Jahre durch höhere Betriebskosten und geringere Effizienz zurück.

Wie IbH Schepper bei der Intralogistik-Planung eines Neubaus unterstützt

Wir begleiten Unternehmen von der ersten Idee bis zur Inbetriebnahme, herstellerunabhängig, neutral und mit über 45 Jahren Erfahrung in der Intralogistik und Lagerplanung. Unser Ansatz beginnt immer mit einer fundierten Datenanalyse, damit die Planung auf belastbaren Zahlen basiert, nicht auf Annahmen.

Was wir konkret für Sie übernehmen:

  • Analyse Ihrer Artikel-, Bestands- und Auftragsdaten als Planungsgrundlage
  • Entwicklung eines intralogistischen Konzepts vor dem ersten Architektenentwurf
  • Layoutplanung und logistische Detailplanung abgestimmt auf Ihre Prozesse
  • Technologieauswahl und Ausschreibung ohne Herstellerbindung
  • Objektüberwachung und technische Abnahme nach FEM-Richtlinien

So stellen wir sicher, dass Ihr Neubau nicht nur fertig wird, sondern auch wirklich funktioniert. Wenn Sie ein Neubauprojekt planen oder sich in einer frühen Konzeptphase befinden, sprechen Sie uns an. Nehmen Sie jetzt Kontakt auf und wir schauen gemeinsam, wie wir Ihre Lagerplanung von Anfang an richtig aufstellen.

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