Welche Vorabinformationen braucht ein Intralogistikplaner von mir?

Marko Schepper ·
Logistikberater breitet gedruckte Grundrisspläne auf Planungstisch aus, Klemmbrett mit Notizen und Maßband neben Lagerordnern, Industrieregale im Hintergrund.

Wer ein Intralogistik-Projekt startet, steht schnell vor einer zentralen Frage: Was muss ich eigentlich mitbringen, damit die Planung wirklich funktioniert? Viele Unternehmen unterschätzen, wie viel Einfluss die Qualität der bereitgestellten Informationen auf das spätere Ergebnis hat. Ein erfahrener Logistikplaner kann nur so präzise arbeiten, wie die Datenbasis es erlaubt. Dieser Artikel zeigt, welche Vorabinformationen ein Intralogistikplaner von Ihnen braucht und warum eine gute Vorbereitung den Unterschied zwischen einem soliden und einem wirklich passgenauen Konzept ausmacht.

Warum die Datenbasis über den Projekterfolg entscheidet

Ein Intralogistik-Projekt beginnt nicht mit Regalen oder Fördertechnik, sondern mit Daten. Je vollständiger und belastbarer die Informationen sind, die Sie zu Beginn bereitstellen, desto gezielter kann ein Logistikplaner Ihr Konzept entwickeln. Lückenhafte oder veraltete Daten führen dagegen zu Annahmen, die sich später als falsch herausstellen können und dann Korrekturen erfordern, die Zeit und Budget kosten.

Das gilt besonders für die Intralogistik, weil hier viele Faktoren eng miteinander verknüpft sind: Lagerstrukturen, Materialflüsse, Auftragsvolumen und bauliche Gegebenheiten beeinflussen sich gegenseitig. Wer von Anfang an transparent und strukturiert kommuniziert, schafft die Grundlage für eine Planung, die nicht nur auf dem Papier überzeugt, sondern auch im Betrieb funktioniert.

Stammdaten und Artikelstruktur: Das Fundament der Planung

Der erste Schritt in jeder Logistikberatung ist die Analyse der Artikelstammdaten. Gemeint sind alle grundlegenden Informationen zu Ihren Produkten oder Materialien: Abmessungen, Gewichte, Verpackungseinheiten, Lagerklassen und eventuelle Sonderanforderungen wie Temperaturempfindlichkeit oder Gefahrgutrelevanz.

Diese Daten sind das Fundament, auf dem die gesamte Lagerlogistik aufgebaut wird. Wie viele verschiedene Artikel gibt es? Welche Mengen lagern typischerweise? Gibt es saisonale Schwankungen im Sortiment? Je detaillierter die Artikelstruktur abgebildet ist, desto besser lassen sich Lagertypen, Lagertechnik und Flächenbedarf ableiten. Unvollständige Stammdaten sind einer der häufigsten Gründe, warum Planungen später angepasst werden müssen.

Auftrags- und Bewegungsdaten richtig aufbereiten

Neben den Stammdaten sind Auftrags- und Bewegungsdaten für die Intralogistikplanung besonders wertvoll. Sie zeigen, wie Ihr Lager tatsächlich arbeitet: Wie viele Aufträge werden täglich bearbeitet? Wie viele Positionen enthält ein durchschnittlicher Auftrag? Welche Artikel werden besonders häufig bewegt, welche selten?

Für eine belastbare Analyse empfiehlt sich ein Datenzeitraum von mindestens zwölf Monaten, um saisonale Spitzen und Schwankungen sichtbar zu machen. Ideal sind Rohdaten aus Ihrem Warenwirtschafts- oder ERP-System, möglichst unbereinigt und mit Zeitstempeln. Folgende Informationen sind besonders relevant:

  • Anzahl der Aufträge pro Tag, Woche und Monat
  • Auftragsstruktur (Einzel- vs. Mehrpositionsaufträge)
  • Zugriffshäufigkeiten je Artikel (ABC-Analyse)
  • Wareneingänge und Warenausgänge nach Menge und Gewicht
  • Retourenquoten, sofern relevant

Mit diesen Daten lässt sich der reale Materialfluss rekonstruieren, und daraus entstehen konkrete Anforderungen an die Intralogistik: welche Zonen gebraucht werden, wie die Kommissionierung organisiert sein sollte und wo Automatisierungspotenzial besteht.

Rahmenbedingungen vor Ort: Gebäude, Flächen und Infrastruktur

Intralogistik findet immer in einem konkreten Gebäude statt, und die baulichen Gegebenheiten setzen den Rahmen für alles, was planbar ist. Deshalb gehören Informationen zur Immobilie zu den frühen Pflichtangaben in jedem Beratungsprojekt.

Wichtig sind unter anderem: verfügbare Hallenflächen und Raumhöhen, Traglasten des Bodens, Lage und Anzahl der Tore und Rampen, vorhandene Infrastruktur wie Sprinkleranlagen oder Starkstromversorgung sowie eventuelle Denkmalschutzauflagen oder Mietbeschränkungen. Wenn ein Neubau oder Anbau geplant ist, sollten erste Architektenpläne oder Grundstücksdaten frühzeitig eingebracht werden. Auch Erweiterungsoptionen für die Zukunft sind ein relevanter Planungsparameter, denn eine gute Intralogistik-Beratung denkt nicht nur für heute, sondern auch für die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre.

Organisatorische und prozessuale Anforderungen kommunizieren

Technik und Fläche allein ergeben noch kein funktionierendes System. Ebenso wichtig sind die organisatorischen und prozessualen Rahmenbedingungen, die Ihr Unternehmen mitbringt. Dazu gehören Schichtmodelle, Personalstrukturen, Qualifikationsanforderungen und bestehende IT-Systeme wie Warehouse-Management-Systeme (WMS) oder ERP-Lösungen.

Auch strategische Fragen spielen eine Rolle: Soll das Lager künftig stärker automatisiert werden? Gibt es Pläne für neue Vertriebskanäle, etwa E-Commerce? Welche Service-Level-Agreements gelten gegenüber Kunden? Diese Informationen helfen dem Logistikplaner, ein Konzept zu entwickeln, das nicht nur technisch, sondern auch organisatorisch zu Ihrem Unternehmen passt. Offene Kommunikation über interne Abläufe und Einschränkungen ist dabei kein Schwächeeingeständnis, sondern eine wichtige Planungsgrundlage.

So verläuft die Zusammenarbeit mit einem herstellerunabhängigen Planer

Ein herstellerunabhängiger Logistikplaner hat keine Präferenz für einen bestimmten Anbieter von Lagertechnik oder Fördersystemen. Das ist ein struktureller Vorteil: Die Empfehlungen orientieren sich ausschließlich an Ihren Anforderungen, nicht an Verkaufsinteressen Dritter. Die Zusammenarbeit beginnt in der Regel mit einem strukturierten Aufnahmegespräch, in dem gemeinsam geklärt wird, welche Daten vorhanden sind und welche noch erhoben werden müssen.

Der Prozess ist iterativ: Erste Konzepte werden auf Basis der verfügbaren Daten entwickelt, dann mit Ihnen besprochen, verfeinert und weiterentwickelt. Je aktiver Sie sich in dieser Phase einbringen und Rückfragen beantworten, desto schneller kommt das Projekt voran. Über die Unternehmensgeschichte und Arbeitsweise eines Planungsbüros lässt sich vorab gut einschätzen, ob die Chemie und das Verständnis für Ihre Branche passen.

Typische Projektphasen in der Intralogistikplanung umfassen:

  1. Datenaufnahme und Analyse
  2. Konzeptentwicklung und Variantenvergleich
  3. Layoutplanung und logistische Detailplanung
  4. Ausschreibung und Vergabe an Lieferanten
  5. Objektüberwachung und technische Abnahme

Wer diese Phasen kennt, kann sich gezielt vorbereiten und weiß, wann welche Informationen gefragt sind.

Wie IbH Sie bei der Intralogistikplanung unterstützt

Wir bei IbH Schepper begleiten Unternehmen durch alle Phasen eines Intralogistik-Projekts, von der ersten Datenanalyse bis zur technischen Abnahme. Als herstellerunabhängige Logistikberater entwickeln wir Konzepte, die zu Ihren spezifischen Anforderungen passen, nicht zu einem Produktkatalog. Das bedeutet konkret:

  • Strukturierte Aufnahme und Analyse Ihrer Stamm-, Auftrags- und Bewegungsdaten
  • Neutrale Bewertung von Lager- und Fördertechniklösungen ohne Herstellerbindung
  • Layoutplanung und Materialflussplanung auf Basis Ihrer realen Betriebsdaten
  • Begleitung bei Ausschreibung, Vergabe und Objektüberwachung
  • Technische Abnahme nach FEM-Richtlinien

Mit über 45 Jahren Erfahrung in der Intralogistik-Beratung wissen wir, welche Fragen zu stellen sind und wie aus guten Daten ein tragfähiges Konzept entsteht. Wenn Sie ein Projekt planen oder erste Fragen klären möchten, sprechen Sie uns gerne an. Wir freuen uns auf das Gespräch mit Ihnen über die Kontaktseite.

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