Wie digitalisiere ich die Intralogistik meines Unternehmens schrittweise?

Marko Schepper ·
Lagerarbeiter mit Schutzhelm prüft Tablet neben moderner Förderanlage, Papierklemmbrett auf Kiste im Hintergrund.

Die Digitalisierung der Intralogistik gelingt am besten schrittweise: Beginnen Sie mit einer strukturierten Bestandsaufnahme Ihrer aktuellen Prozesse, identifizieren Sie die größten Schwachstellen, und führen Sie digitale Lösungen dort ein, wo der Nutzen am schnellsten spürbar wird. So vermeiden Sie Überforderung und sichern den laufenden Betrieb. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen, die Unternehmen auf diesem Weg beschäftigen.

Wo fängt man bei der Digitalisierung der Intralogistik an?

Der richtige Startpunkt ist eine ehrliche Bestandsaufnahme: Welche Prozesse in Ihrer Intralogistik laufen heute noch auf Papier, per Zuruf oder mit Tabellenkalkulationen? Bevor eine einzige Software eingeführt wird, brauchen Sie ein klares Bild Ihrer Materialflüsse, Lagerstrukturen und Schwachstellen. Nur wer den Ist-Zustand kennt, kann sinnvoll planen.

Konkret bedeutet das: Erfassen Sie Ihre Warenein- und -ausgänge, Lagerbewegungen, Kommissioniermengen und Durchlaufzeiten. Diese Daten bilden die Grundlage für jede weitere Entscheidung. Viele Unternehmen unterschätzen diesen Schritt und greifen zu früh zu technischen Lösungen, die dann nicht zu den tatsächlichen Anforderungen passen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt: Holen Sie die Menschen ab, die täglich mit den Prozessen arbeiten. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Lager kennen die Engpässe oft besser als jede Kennzahl. Ihre Perspektive gehört von Anfang an in die Logistikplanung eingebunden.

Welche Prozesse in der Intralogistik lassen sich zuerst digitalisieren?

Erfahrungsgemäß eignen sich Wareneingangsprozesse, Bestandsverwaltung und Kommissionierung am besten für den Einstieg in die digitale Intralogistik. Diese Bereiche sind klar abgrenzbar, erzeugen große Datenmengen und bieten schnell messbare Verbesserungen bei Fehlerquoten und Durchlaufzeiten.

Eine bewährte Reihenfolge für die schrittweise Digitalisierung sieht so aus:

  1. Wareneingang: Barcode- oder RFID-gestützte Erfassung ersetzt manuelle Listen und reduziert Buchungsfehler erheblich.
  2. Bestandsverwaltung: Ein Lagerverwaltungssystem (LVS) schafft Transparenz über Lagerbestände in Echtzeit.
  3. Kommissionierung: Pick-by-Light, Pick-by-Voice oder mobile Handscanner steigern die Genauigkeit und Geschwindigkeit.
  4. Warenausgang und Versandabwicklung: Digitale Lieferscheine und automatisierte Versandlabels reduzieren manuelle Nacharbeit.

Prozesse mit vielen Schnittstellen zu anderen Systemen oder externen Partnern sollten Sie erst in späteren Phasen angehen, wenn die internen Abläufe stabil digitalisiert sind.

Welche Technologien eignen sich für die schrittweise Digitalisierung?

Für eine schrittweise Digitalisierung der Intralogistik eignen sich vor allem Lagerverwaltungssysteme (LVS), mobile Datenerfassung (MDE), Barcode- und RFID-Technologie sowie Warehouse-Management-Systeme (WMS). Diese Technologien lassen sich modular einführen und aufeinander aufbauen, ohne den laufenden Betrieb zu unterbrechen.

Einstiegstechnologien für kleinere und mittlere Unternehmen

Mobile Handscanner in Verbindung mit einem einfachen LVS sind oft der pragmatischste Einstieg. Die Investition ist überschaubar, die Einführung schnell, und der Nutzen ist sofort sichtbar. Auch cloudbasierte WMS-Lösungen haben sich in den letzten Jahren als zugängliche Option für mittelständische Betriebe etabliert, da sie ohne große IT-Infrastruktur funktionieren.

Technologien für fortgeschrittene Digitalisierungsstufen

Wenn die Grundprozesse digital laufen, kommen weiterführende Technologien ins Spiel: automatisierte Fördertechnik, autonome mobile Roboter (AMR), automatische Kleinteilelager (AKL) oder KI-gestützte Bedarfsprognosen. Diese Systeme entfalten ihren vollen Nutzen aber nur dann, wenn die Datenbasis aus den vorherigen Digitalisierungsschritten sauber und vollständig ist. Eine gründliche Lagerplanung ist dabei die Voraussetzung für jede Automatisierungsentscheidung.

Wie lange dauert die Digitalisierung der Intralogistik?

Die Digitalisierung der Intralogistik ist kein einmaliges Projekt mit einem festen Enddatum, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Ein erster sinnvoller Digitalisierungsschritt, etwa die Einführung eines LVS mit mobiler Datenerfassung, lässt sich in drei bis sechs Monaten umsetzen. Komplexere Projekte mit Automatisierungstechnik dauern häufig ein bis drei Jahre.

Die Dauer hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Größe und Komplexität des Lagers
  • Anzahl der zu integrierenden Systeme (ERP, TMS, Lieferantensysteme)
  • Verfügbarkeit interner Ressourcen für die Projektbegleitung
  • Umfang der notwendigen baulichen oder technischen Anpassungen
  • Qualität der vorhandenen Daten und Prozessdokumentation

Realistisch geplante Meilensteine helfen dabei, den Überblick zu behalten und den Betrieb während der Umstellung stabil zu halten. Wer versucht, alles auf einmal umzusetzen, riskiert Verzögerungen und Akzeptanzprobleme bei den Mitarbeitenden.

Was kostet die Digitalisierung der Intralogistik?

Die Kosten für die Digitalisierung der Intralogistik variieren stark je nach Umfang, gewählten Technologien und Unternehmensgröße. Ein einfaches Einstiegsprojekt mit mobiler Datenerfassung und einem cloudbasierten LVS beginnt bei einigen zehntausend Euro. Umfassende Automatisierungsprojekte mit Fördertechnik und Lagerverwaltungssystemen können mehrere Millionen Euro umfassen.

Wichtig ist dabei, nicht nur die Anschaffungskosten zu betrachten, sondern die Gesamtkosten über den Lebenszyklus:

  • Implementierungskosten: Software, Hardware, Systemintegration, Schulungen
  • Laufende Kosten: Lizenzen, Wartung, Support
  • Interne Ressourcen: Mitarbeiterzeit für Projektbegleitung und Einführung
  • Planungskosten: Externe Beratung und Konzeptentwicklung

Dem gegenüber stehen messbare Einsparungen: geringere Fehlerquoten, kürzere Durchlaufzeiten, niedrigere Personalkosten bei gleichem oder höherem Durchsatz sowie weniger Bestandskapital durch bessere Lagertransparenz. Eine solide Wirtschaftlichkeitsberechnung gehört deshalb zu jeder Digitalisierungsplanung dazu.

Welche Fehler sollte man bei der Digitalisierung der Intralogistik vermeiden?

Die häufigsten Fehler bei der Digitalisierung der Intralogistik sind: zu früh auf Technologie zu setzen, ohne klare Prozessgrundlage, Systeme einzuführen, die nicht zu den tatsächlichen Anforderungen passen, und die Mitarbeitenden zu spät einzubinden. Diese Fehler führen dazu, dass Investitionen nicht den erwarteten Nutzen bringen.

Konkret sollten Sie folgende Punkte vermeiden:

  • Technologie vor Prozess: Digitale Werkzeuge können schlechte Prozesse nicht reparieren, sie beschleunigen sie nur. Erst die Prozesse bereinigen, dann digitalisieren.
  • Fehlende Datengrundlage: Ohne belastbare Daten zu Mengen, Artikeln und Bewegungen entstehen Konzepte auf Sand. Eine sorgfältige Datenanalyse ist die Grundlage jeder Lagerplanung.
  • Zu große Sprünge: Wer den gesamten Betrieb auf einmal umstellen will, überfordert Organisation und Mitarbeitende. Lieber kleine, stabile Schritte mit klaren Meilensteinen.
  • Herstellergebundene Entscheidungen ohne Vergleich: Wer nur ein Angebot einholt, zahlt oft zu viel oder bekommt nicht die passende Lösung. Ein unabhängiger Vergleich verschiedener Systeme schützt vor Fehlinvestitionen.
  • Fehlende Projektverantwortung: Digitalisierungsprojekte brauchen eine klare interne Verantwortlichkeit. Ohne eine benannte Projektleitung verlieren sich Entscheidungen im Alltag.

Wie IbH Schepper Sie bei der Digitalisierung Ihrer Intralogistik unterstützt

Wir begleiten Unternehmen durch alle Phasen der Digitalisierung ihrer Intralogistik, von der ersten Bestandsaufnahme bis zur technischen Abnahme. Als herstellerunabhängige Logistikplaner bringen wir keine Eigeninteressen an bestimmten Systemen oder Anbietern mit. Unser Ziel ist ausschließlich die beste Lösung für Ihre spezifische Situation.

Konkret unterstützen wir Sie mit:

  • Strukturierter Datenanalyse Ihrer Materialflüsse, Bestände und Prozesse als Grundlage jeder Planung
  • Neutraler Konzeptentwicklung und Layoutplanung für Ihre Lagerlogistik
  • Ausschreibung und Vergabe von Systemen und Technologien im Wettbewerb
  • Begleitung der Implementierung und technischen Abnahme nach FEM
  • Wirtschaftlichkeitsberechnung und Entscheidungsunterstützung auf Basis Ihrer realen Zahlen

Ob Sie gerade am Anfang stehen oder ein laufendes Projekt neu ausrichten möchten: Sprechen Sie uns an. Nehmen Sie jetzt Kontakt mit uns auf und wir besprechen gemeinsam, welcher nächste Schritt für Ihre Intralogistik sinnvoll ist.

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