Wie funktioniert die ABC-Analyse in der Lagerplanung?

Marko Schepper ·
Lagerarbeiter sortiert farbkodierte Kisten in drei Zonen auf Hochregalböden, warmes Licht, Betonboden, flache Schärfentiefe.

Wer ein Lager effizient organisieren möchte, steht schnell vor einer zentralen Frage: Welche Artikel verdienen besondere Aufmerksamkeit, und welche können mit weniger Aufwand verwaltet werden? Genau hier setzt die ABC-Analyse an. Sie gehört zu den bewährtesten Werkzeugen der Lagerplanung und hilft dabei, Bestände strukturiert zu bewerten und Ressourcen gezielt einzusetzen. In der Lagerlogistik und Intralogistik ist sie seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil professioneller Bestandsoptimierung.

Das Prinzip dahinter ist denkbar einfach: Nicht alle Artikel im Lager sind gleich wichtig. Manche bewegen sich täglich, andere verstauben monatelang im Regal. Die ABC-Analyse macht diesen Unterschied sichtbar und schafft damit die Grundlage für eine differenzierte Lagerverwaltung. Wie die Methode konkret funktioniert, wie Sie sie anwenden und wo ihre Grenzen liegen, erfahren Sie in diesem Artikel.

Artikel, Umschlaghäufigkeit und Wertanteile als Grundlage

Die ABC-Analyse basiert auf dem Pareto-Prinzip, das besagt, dass ein kleiner Teil der Artikel einen Großteil des Wertes oder Umsatzes ausmacht. In der Lagerlogistik wird dieses Prinzip genutzt, um Artikel in drei Klassen einzuteilen: A, B und C. Die Einteilung erfolgt anhand von Kennzahlen wie Umschlaghäufigkeit, Verbrauchswert oder Entnahmehäufigkeit.

A-Artikel sind die umsatzstärksten oder am häufigsten bewegten Positionen. Sie machen typischerweise einen kleinen Anteil der Artikelanzahl aus, aber einen Großteil des Gesamtwertes. B-Artikel liegen im mittleren Bereich, sowohl was Häufigkeit als auch Wert betrifft. C-Artikel hingegen sind zahlreich, aber selten bewegt und tragen wenig zum Gesamtumsatz bei. Die genaue Grenzziehung zwischen den Klassen ist nicht starr, sondern hängt vom jeweiligen Lager und Sortiment ab.

Wichtig ist die Wahl der richtigen Bewertungsgröße. In der Bestandsoptimierung kann die Analyse nach Entnahmehäufigkeit, nach Umsatzwert oder nach Volumen durchgeführt werden. Je nachdem, welches Ziel im Vordergrund steht, ergibt sich eine andere Klassifizierung. Deshalb lohnt es sich, die Datenbasis sorgfältig zu definieren, bevor die Analyse beginnt.

Schritt-für-Schritt: Durchführung der ABC-Analyse im Lager

Die Durchführung der ABC-Analyse folgt einer klaren Struktur, die sich in wenigen Schritten umsetzen lässt. Entscheidend ist dabei die Qualität der Ausgangsdaten aus dem Lagerverwaltungssystem.

Daten erfassen und aufbereiten

Im ersten Schritt sammeln Sie alle relevanten Bewegungsdaten aus einem definierten Zeitraum, meist zwölf Monate. Dazu gehören Entnahmehäufigkeiten, Bestellmengen und Verbrauchswerte pro Artikel. Je vollständiger und sauberer diese Daten vorliegen, desto aussagekräftiger ist das Ergebnis der Analyse.

Artikel sortieren und kumulieren

Anschließend sortieren Sie alle Artikel nach der gewählten Kennzahl in absteigender Reihenfolge. Dann berechnen Sie den kumulierten prozentualen Anteil jedes Artikels am Gesamtwert. So entsteht eine Rangliste, die zeigt, welche Positionen den größten Beitrag leisten.

Klassen festlegen

Auf Basis der kumulierten Werte legen Sie die Klassengrenzen fest. Ein häufig verwendeter Richtwert: A-Artikel decken etwa 70 bis 80 Prozent des Gesamtwertes ab, B-Artikel weitere 15 bis 20 Prozent, und C-Artikel den verbleibenden Rest. Diese Grenzen sind Orientierungswerte und sollten an die spezifischen Gegebenheiten Ihres Lagers angepasst werden. Eine sorgfältige Lagerplanung und Optimierung berücksichtigt dabei stets die individuellen Anforderungen des jeweiligen Unternehmens.

Lagerstrategien gezielt auf ABC-Klassen abstimmen

Die Klassifizierung allein bringt noch keinen Mehrwert. Der eigentliche Nutzen entsteht, wenn Sie die Erkenntnisse in konkrete Lagerstrategien übersetzen. Jede Klasse erfordert eine andere Herangehensweise bei Lagerplatzvergabe, Nachschubsteuerung und Kommissionierung.

A-Artikel sollten möglichst kurze Wege im Lager haben. Platzieren Sie diese Positionen in der Nähe der Kommissionierzonen oder Versandbereiche, um Laufwege zu minimieren und die Pickleistung zu steigern. Häufige Bestellungen in kleineren Mengen können hier sinnvoll sein, um Lagerkosten zu reduzieren.

B-Artikel können in mittlerer Entfernung gelagert werden. Sie benötigen eine solide, aber weniger intensive Steuerung als A-Artikel. Regelmäßige Überprüfungen helfen dabei, Verschiebungen in die A- oder C-Klasse frühzeitig zu erkennen.

C-Artikel lassen sich weiter entfernt von den Hauptzonen lagern. Da sie selten bewegt werden, ist der Zugriff weniger zeitkritisch. Gleichzeitig sollte geprüft werden, ob bestimmte C-Artikel überhaupt noch gehalten werden müssen oder ob eine Sortimentsbereinigung sinnvoll ist. In der Intralogistik spricht man hier von einer gezielten Bestandsoptimierung durch Sortimentsstraffung.

Grenzen der ABC-Analyse und sinnvolle Erweiterungen

So nützlich die ABC-Analyse ist, sie hat auch klare Grenzen. Sie betrachtet Artikel isoliert nach einer einzigen Kennzahl und berücksichtigt dabei keine Schwankungen in der Nachfrage, keine saisonalen Muster und keine strategische Bedeutung einzelner Artikel.

Ein Artikel kann beispielsweise selten bewegt werden, aber für die Produktion unverzichtbar sein. Fällt er aus, steht die Fertigung still. Die reine ABC-Klassifizierung würde ihn als C-Artikel einordnen und damit möglicherweise zu niedrig priorisieren. Hier kommt die XYZ-Analyse ins Spiel: Sie ergänzt die ABC-Analyse um die Dimension der Verbrauchsschwankungen. X-Artikel haben einen gleichmäßigen Verbrauch, Y-Artikel schwanken stärker, und Z-Artikel sind unregelmäßig oder selten gefragt.

Die Kombination aus ABC- und XYZ-Analyse ergibt eine neun-Felder-Matrix, die eine deutlich differenziertere Lagerstrategie ermöglicht. Ein AX-Artikel beispielsweise ist hochwertig und gleichmäßig gefragt, ein CZ-Artikel ist günstig und unregelmäßig bewegt. Beide erfordern völlig unterschiedliche Ansätze in der Lagerverwaltung. Wer diese Erweiterung konsequent anwendet, gewinnt ein deutlich präziseres Bild seiner Lagerstruktur.

ABC-Analyse als Teil einer ganzheitlichen Lagerplanung

Die ABC-Analyse ist ein wertvolles Instrument, aber kein Allheilmittel. Sie liefert eine analytische Grundlage, die in eine umfassendere Lagerplanung eingebettet sein sollte. Erst im Zusammenspiel mit Layoutplanung, Materialflussanalyse und Lagertechnikauswahl entfaltet sie ihr volles Potenzial.

In der Praxis bedeutet das: Die Ergebnisse der ABC-Analyse fließen in die Layoutplanung ein und bestimmen, wie Lagerbereiche aufgeteilt werden. Sie beeinflussen die Wahl der Lagertechnik, zum Beispiel ob Schnelldreher in einem dynamischen Durchlaufregal gelagert werden oder ob Langsamdreher in einem statischen Fachbodenregal besser aufgehoben sind. Auch die Digitalisierung der Intralogistik profitiert von einer sauberen ABC-Klassifizierung, weil Lagerverwaltungssysteme auf dieser Basis Nachschubprozesse automatisieren können.

Darüber hinaus sollte die Analyse regelmäßig wiederholt werden. Sortimente verändern sich, Kundenanforderungen wandeln sich, und was heute ein A-Artikel ist, kann morgen ein C-Artikel sein. Eine einmalige Analyse ist ein guter Startpunkt, aber eine kontinuierliche Überprüfung sichert langfristig die Effizienz der Lagerlogistik.

Wie IbH bei der ABC-Analyse und Lagerplanung unterstützt

Eine ABC-Analyse ist nur so gut wie die Daten, auf denen sie basiert, und die Schlussfolgerungen, die daraus gezogen werden. Genau hier setzen wir von IbH Schepper an. Als herstellerunabhängige Logistikberater begleiten wir Unternehmen dabei, ihre Lagerlogistik strukturiert weiterzuentwickeln. Dabei arbeiten wir nicht mit Standardlösungen, sondern entwickeln unternehmensspezifische Konzepte, die zu Ihren tatsächlichen Prozessen passen.

Konkret unterstützen wir Sie bei:

  • der Aufbereitung und Auswertung Ihrer Bewegungsdaten als Grundlage für eine fundierte ABC- und XYZ-Analyse
  • der Ableitung konkreter Lagerstrategien und Zonierungskonzepte auf Basis der Analyseergebnisse
  • der Layoutplanung und logistischen Detailplanung, die die Klassifizierungsergebnisse direkt einbezieht
  • der Auswahl und Ausschreibung geeigneter Lagertechnik und Lagerverwaltungssysteme
  • der Begleitung aller Projektphasen von der ersten Idee bis zur technischen Abnahme

Mit über 45 Jahren Erfahrung in der Intralogistik und einem qualifizierten Planungsteam stehen wir Ihnen als neutraler Partner zur Seite, der keine Herstellerinteressen verfolgt, sondern ausschließlich Ihre Projektziele im Blick hat. Wenn Sie Ihre Lagerplanung und Bestandsoptimierung auf eine solide analytische Basis stellen möchten, sprechen Sie uns gerne an. Wir freuen uns auf das Gespräch und begleiten Sie von der ersten Analyse bis zur erfolgreichen Umsetzung. Nehmen Sie jetzt Kontakt auf und erfahren Sie, wie wir gemeinsam Ihre Intralogistik weiterentwickeln können.

Ähnliche Artikel